November in der Sauerlandkaserne

Da wir in den Maintenance Containern mehrere verfressene Untermieter hatten, sagte Hauptfeld "Bubu" nur: „Was stehst Du hier noch rum?“
Nicht mehr und nicht weniger. 
Da man so eine "Verantwortung" nicht alleine tragen kann, bin ich sofort mit Möhrchen in den Iltis und runter zum Nachschub. Wir wollten bei Norbert aber keine dreiseitige Anforderung stellen, und somit nicht 6 Wochen auf die Falle warten. Blieb uns nur der Gang zu Elmar in die Küche. Was der kleine Dienstweg doch Klasse ist.
So gegen 11:00 Uhr hatten wir alles, was wir an Kampfmitteln benötigten: Speck, Käse, und Mäusefallen.
Möhrchen und ich schauten uns an, es war der 11.November , kurz nach 11:00 Uhr (im Rheinland fängt an diesem Tag offiziell der Karneval an) und wir waren im Sauerland…mist!!
Ab in das Uffz-Heim, die Tränen getrocknet und nach einem melancholischem „Kölle Allaf“, ein Bier bestellt.
Peter wischte sich schon den Schaum aus dem Bart, sein halber Liter war natürlich schon unten, ich kämpfte mich noch durch die Schaumkrone...

...da öffnete sich die Tür zum Mannschaftsheim: Der Chef… Toll!!!

„Uffz. war ja kein schlechter Dienstgrad, aber wieder Obergefreiter zu werden, hat ja auch seine Vorzüge“, dachte ich bei mir.
Hpt. Richard „Löwenherz“ (Name vom Autor geändert) schaute uns an, jegliche Körperspannung wich aus seinem Körper. Kopfschüttelnd ließ er sein Haupt sinken. Ganz langsam hob er dann wieder seinen Kopf, die Augen sahen flehend gen Himmel: „ Gott, was habe ich verbrochen, das Du mich mit zwei Rheinländer strafst?“
Zackige Kehrtwendung und raus war er.

Wir rein in den Iltis und rauf in die Wartung. Fallen aufstellen und auf den Anruf von Anne warten: „ Nach Dienstschluss zum Chef!“.
Dieser Anruf kam nie.

Am nächsten Morgen konnten wir die Früchte unserer Arbeit ernten. Eine der Mäuse war tot.
Was macht man mit so einem Vieh? Damals wusste ich noch nichts von Jack´s Hobby. Und ab in die Biotonne, ach nee…
Schnell einen Galgenstrick gebunden, noch ein Schild um den Hals der Maus und das Ganze dann noch an einen Launcherspiegel gehangen und fertig war der Rauswurf beim Barras.
Was haben wir gelacht…

„ Feldwebel Peun, Herr Hauptmann, melde keine Vorkommnisse bei der WS-Wartung!“

Mist, mist, mist- nicht schon wieder…
Aber kein Problem, als Soldat stehst Du nie allein da… Als ich mich aber umschaute, war keiner meiner „Kameraden“ zu sehen.
Okay, ruhig bleiben. Messer, ein Messer, na klar. Nur wenn man bei etwas Übergewicht einen zu engen Blaumann angezogen hat, hat man keine Chance da ran zu kommen. Selbst ein beherztes ziehen an dem kleinen Körper führte nicht zum gewollten Erfolg. Verdammt zäh, so ein Nager.
Langsam machte sich Verzweifelung breit…
Englisch, warum sprechen die den jetzt englisch? Ich erinnerte mich schlagartig an den Dienstplan: „Chef mit kanadischer Delegation bei WS Rundgang“, au Backe…
Da kamen sie auch schon um die Ecke. Ich weiß bis heute nicht, ob es keiner gesehen hat, oder ob es keiner sehen wollte:
„Ein total verschwitzter Unteroffizier steht salutierend unter einer aufgeknüpften Maus, welche ein Schild mit der Aufschrift :“ ICH WAR EIN SABO…“.(Um meinen Kopf nicht selber in die Schlinge zu legen, werde ich dieses Wort nicht ausschreiben) um den Hals trägt.
Wer um die deutsche Geschichte weiß, kann sich vorstellen, was in meinem Kopf vorging: „ Ach, vergesse ich auch am Besten den Dienstgrad Obergefreiter, das Zivilleben ist doch auch schön.“
Alle gingen Sie an mir vorbei, als letzter ein grinsender Hauptfeld Vogl.

Auch dafür habe ich nie einen Anschiss kassiert.

Hut ab Herr „Löwenherz“, Gnade vor Recht, ist in meinen Augen eine große Tugend. (Hat das Poster einen Platz gefunden?)

Autor: Christian Werth