Auf ins Sauerland die 1.:

"Einige Soldaten versuchten durch kleine oder größere Späße, die Geduldsgrenzen der Bevölkerung zu testen. Vielleicht aus Muße, vielleicht aber auch, um den Stress des Tages abzubauen.

Wieder einmal wird der Tag mit einem feucht-fröhlichen Gelage beim Gastwirt Hennes beschlossen, und qröhlend geht es spät in der Nacht Richtung Unterkunft. Als die Soldaten durch Obervalbert wanken und feststellen, dass die kleine Kapelle offen steht, sticht sie der Hafer. Laut wird die Glocke gebimmelt, und einige Soldaten singen: "Leise erklingen die Glocken von Obervalbert"

Und schon gehen in den wenigen Häusern die Lichter an, schlaftrunkene Einheimische rennen mit Eimern und Feuerlöschern auf die Straße, manche gar nur im Nachthemd. Ich glaube, besser als mit diesem Feueralarm haben wir uns nirgends bekannt gemacht."

Oedingen ist einer der wenigen Bundeswehrstandorte, in denen keine Bundeswehrsiedlung gebaut wird.

Da der Bund den Wohnungsbau für die Soldaten stark fördert, erstellt fast jeder bauwillige Oedinger mit günstigen Darlehen und Aufschließungszuschüssen im Rahmen des normalen Wohnungsbauprogramms ein Mietshaus für Soldaten, mit ein Grund, der das gute Verhältnis zwischen Soldaten und Sauerländern herbeiführt. Die Sauerländer feiern viel und oft, und davon kann keine noch so unfreundliche Witterung abhalten. Klar, dass die Soldaten sich gerne anschließen, und schon bald ist der Manöverball der 1. Batterie in der Schützenhalle zu Oedingen Tradition.

Hauptmann Streit blieb besonders der Ball des Jahres 1966 in Erinnerung: "Die Halle ist voll, Einheimische und Soldaten sind bester Stimmung. Doch da versuchen einige ortsfremde Bauarbeiter die glänzende Stimmung in der Halle zu stören. Als unser Chef Hauptmann Rudnik die Störenfriede zur Ordnung rufen will, kommt es zum Handgemenge.

Kameradschaftlich und „dienstbeflissen'“ eilt der Schirrmeister Oberfeldwebel Schuhwald zu Hilfe. -Bums -und schon setzt einer der Krawallmacher mit einem gezielten Schlag auf die Hornbrille unseren Helfer kurz außer Gefecht.

„Mit mir nicht!“ entspringt es kurz darauf seinen Lippen, mit mir nicht!' Noch etwas benommen schlägt er wild um sich, rechts-links-rechter Haken - ein gezielter Schlag an die Kinnpartie - getroffen!

Sein Gegenüber wankt - noch ein Schlag auf die Armbanduhr. Der arme Hauptmann Rudnik weiß wirklich in diesem Augenblick nicht mehr, was die Zeit geschlagen hat.

Dem Vernehmen nach wurde der Vorfall jedoch nicht als Angriff eines Untergebenen auf einen Vorgesetzten gewertet!"

Quelle: Das Buch-25 Jahre FlaRakBtl 22-/ Hauptmann Theo Streit, damals Stabsunteroffizier

 

Auf ins Sauerland die 2.:

Die 1. Batterie, und damit die Sauerlandkaserne, ist Ziel vieler Besuchergruppen.
Einer der Gründe dafür mag wohl sein, dass böse Zungen behaupten, dies sei ein Luftwaffensanatorium.

Die Soldaten in Oedingen hören dies gar nicht einmal ungern, zeigt es doch, in welch herrlicher Gegend sie stationiert sind. "Doch keine Angst", sagt Major Goetz, Batteriechef seit 1979, "Wir arbeiten auch ab und zu und produzieren Sicherheit!"

Oedingen und die Stellung Buchhagen liegen im Hochsauerland, direkt am Naturpark Homert, der sich mit 40.000 Hektar Größe zwischen Arnsberger Wald und Ebbegebirge drängt. Inmitten herrlicher Fichtenwälder und Tannen-Schonungen wird hier, unmittelbar über der Ortschaft Oedingen, am 6. Juli Richtfest für die Unterkünfte gefeiert. Bataillonskommandeur OTL Frank richtet eine Ansprache an die Vertreter der Kommune, an die Bauleitung und an die Arbeiter. Oedingen gehört noch zum Kreis Meschede, erst später nach der Gebietsreform wird es in die neu zugründende Stadt Lennestadt eingemeindet und dem Landkreis Olpe zugeordnet. So erklärt sich auch das überaus herzliche Verhältnis zur Bevölkerung "über die Grenzen hinweg".

Am 27, Juli beginnt die Batterie mit dem Abbau und dem Verladen des Nike-Gerätes in Köln-Wahn, ab 8. August verlegt sie nach Buchhagen. Die Zuführung des Gerätes ist am 22. August abgeschlossen, die Stellung am 15. September mit einer Abschussgruppe einsatzbereit.
Die entscheidende Überprüfung durch die 2. ATAF findet am 10. Oktober statt.
Erst ab dem 15. Oktober können die Soldaten aus ihren behelfsmäßigen Unterkünften mit dem Beziehen der Kaserne beginnen, die am 17. September 1967 den Namen Sauerlandkaserne erhalten wird.
Der Name weist daraufhin, dass die 1. Batterie tatsächlich die erste Bundeswehreinheit im Sauerland ist.

Auch zu früheren Zeiten befand sich in den Kreisen Meschede und Olpe keine Garnisonsstadt.

 Quelle: Das Buch -25 Jahre FlaRakBtl 22-